Welche Themen, Technologien und Trends sind in 2012 wichtig? Wohin geht die Entwicklung innovativer Produkte und Lösungen? Unternehmen und Ingenieure müssen flexibel auf Marktbedingungen reagieren und ihre Kompetenzen anpassen. Lesen Sie, welche Trends wir ausgemacht haben und was wir empfehlen...
Auch 2012 wird das Wachstum branchenübergreifend anhalten. Aber die Wolken am Horizont sind ausgemacht, und die vielen selbsternannten Propheten werden diesen Trend verstärken. Die Anforderungen an Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit in der Produktentwicklung wachsen daher. Wir haben mit unseren Kunden in verschiedenen Branchen gesprochen. Das Ergebnis: Die Unternehmen investieren in Wachstum mit Innovationen durch die Entwicklung neuer Produkte und Lösungen. Gleichzeitig sind sie sich der volatilen Marktsituation bewusst und stellen folglich ihre Entwicklungsteams weltweit so schlank und effizient auf wie möglich.
Viele Unternehmen und Branchen verändern sich in kürzester Zeit gerade ganz massiv. Viele Branchen verändern sich in kürzester Zeit ganz massiv. Kaum ein Jahr hat unser Leben mit technologischen Brüchen so stark verändert wie die letzten zwölf Monate. Mit der Explosion in Fukushima kam die Energiewende in einem nie da gewesenen industriepolitischen Kraftakt. Der Hochgeschwindigkeitszug in China ist verunglückt, und wies uns darauf hin, dass funktionale Sicherheit und Qualität kompromisslos im Vordergrund stehen müssen. Das Space Shuttle hatte seinen letzten Flug, und zeigte uns, dass die Komplexität technischer Systeme zu jedem Zeitpunkt technisch und wirtschaftlich beherrschbar bleiben muss. Gleichzeitig kamen die ersten serienmäßigen Elektroautos mit komplett neuen Antriebstechniken. Bei Smartphones wiederum schaffte das kostenlose Android einen geradezu kometenhaften Start. Alles eine Basis für neue Maßstäbe an unsere Mobilität, die in 2012 weiter anwächst.
Software und IT sind dabei die wesentlichen Innovationstreiber. Softwareintensive Systeme wie sie in Automobilen, Flugzeugen, Medizintechnik, Transport, Energieversorgung und der Industrietechnik eingesetzt werden, liefern heute bereits 50-70 Prozent des Werts dieser Systeme, Tendenz steigend. Die Produkte und Lösungen müssen zunehmenden Qualitätsanforderungen genügen, aber auch kosteneffizient entwickelt werden, leicht anpassbar sein und die Vorteile moderner Plattformen effektiv ausnutzen. Gleichzeitig drängen ständig neue Mitbewerber mit neuen Lösungen auf den Markt, und die Technologielandschaft wird zunehmend unübersichtlich.
Unternehmen, die in dieser Periode des Umbruchs und Wachstums stagnieren, werden zurückfallen. Schnell, wirksam und trotzdem flexibel zu agieren ist daher in 2012 eine klare Priorität für Entwicklungsteams und Business Units. Allerdings sind die Führungskräfte unsicher, ob die getroffenen Maßnahmen nachhaltig genug sind, und wie der steigende Innovationsdruck beherrscht werden kann. Sie erwarten gerade im technischen Bereich Vorschläge, wie kurzfristig sowohl Kosten reduziert als auch die richtigen Prioritäten in der Neuentwicklung gesetzt werden können.
Hier sind fünf wesentliche Trends für die Produktentwicklung und unsere konkreten Empfehlungen.
1. Innovationen erfolgreich umsetzen
Die Fähigkeit, Innovationen in kurzer Zeit erfolgreich umzusetzen, ist heute der alles entscheidende Wettbewerbsfaktor. Innovationen bestimmen neue Produkte und optimierte Prozesse, aber auch ganz neue Basistechnologien, wie wir sie aktuell in Elektroautos, in Kommunikationsnetzen, oder auch bei der intelligenten Energienutzung beobachten. So entstehen ständig neue kritische Lösungen, von deren reibungslosem Betrieb der Unternehmenserfolg sowie die Produktsicherheit abhängen. Unzureichendes Roadmapping, nicht bewältigte Komplexität und Kosteneinsparungen an den falschen Stellen führen allerdings nach Erfahrungen der Vector Consulting Services aktuell dazu, dass ein erheblicher Anteil der Aufwände in Forschung und Entwicklung (F&E) nicht zu erfolgreichen Innovationen führt. In der Automobilindustrie sind ca. 40 Prozent der F&E-Budgets Fehlinvestitionen in Produkte, die den Markt nicht erreichen oder von den Kunden nicht angenommen werden. Kunden verschiedener Branchen klagen über zu lange Zykluszeiten von der Idee bis zur Markteinführung. Oftmals werden die optimalen Fenster zum Markteintritt verpasst. Hier liegt ein enormes Einsparpotenzial, das zielgerichtet gehoben werden kann. Nicht die Anzahl der Features entscheidet über den Erfolg, sondern einige wenige, die Ihr Produkt hervorheben und von anderen unterscheidbar macht.
Empfehlung: Stimulieren Sie Kunden, Lieferanten und eigene Mitarbeiter mit Kreativmethoden, um die wenigen aber entscheidenden Anforderungen herauszuarbeiten, die Ihr Produkt erfolgreich machen. Nutzen Sie Benchmarks und lernen Sie von den Methoden anderer Unternehmen. Leben Sie klare Innovationsprozesse mit stringent geführten Ideenphasen, sehr kurzen Entscheidungsphasen und schneller Lösungsentwicklung.
2. Modellbasiert entwickeln
Ohne durchgängige modellbasierte Methoden und Tools läuft in der Entwicklung bis in zwei, drei Jahren nichts mehr. Immer komplexere Anforderungen müssen effizient und mit einer hohen Qualität durchgängig vom System zu den Komponenten umgesetzt werden. Das Arbeiten auf höherer Abstraktionsebene und die Automatisierung vieler Tätigkeiten werden Produktivität und Qualität positiv beeinflussen. Hierbei spielen insbesondere die modellbasierten Ansätze eine Rolle. Die von Vector Consulting Services befragten Unternehmen sind sich bei den Zielen einig: Komplexität beherrschen, Produktqualität verbessern, Entwicklungszeit verkürzen, sowie Funktionen in verschiedenen Varianten und Versionen geplant wiederzuverwenden. Als größtes Hindernis sehen sie die eigene Lernkurve und die fehlende Durchgängigkeit. Systems Engineering fristet nach wie vor ein Schattendasein und ist von der Anwendungsentwicklung zu stark abgekoppelt. Roadmaps werden nur für Teilsysteme erstellt, und Varianten schaffen nach wie vor eine überwältigende Komplexität. Der Business Case ist dabei klar: Mit einem Modellierungsgrad ab 30% werden Fehlerraten und Entwicklungskosten signifikant reduziert.
Empfehlung: Schaffen sie zuerst die Voraussetzungen für Durchgängigkeit mit einem starken Systems Engineering. Unterstützen Sie die Schnittstellen zu den verschiedenen Gewerken durch Nachverfolgbarkeit, Konsistenzprüfung und Automatisierung. Bereiten Sie modellbasierte Entwicklung intelligent vor: Schrittweise Einführung, Fokus auf kritische Komponenten, Durchgängigkeit von Anforderungen zum Code und zu den Testfällen, Anpassung der eigenen Prozesse. Setzen Sie nicht primär auf Tools, sondern auf gutes Veränderungsmanagement, durchgängige Prozesse und systematische Methodik. Messen Sie die Umsetzung, und fordern Sie in jedem Projekt zehn bis zwanzig Prozentpunkte Verbesserung dort ein, wo Sie in 2012 Akzente setzen wollen, also beispielsweise 20% weniger Kosten für Varianten, oder 10% weniger Kosten im Test.
3. Performanz steigern
Die Daumenschrauben sitzen fest, trotz Wachstum und guter Konjunktur. Unsere Kunden berichten von Preisdruck zwischen drei und zwölf Prozent für die gleiche Leistung über ein Jahr betrachtet. Doch wir haben auch mit Unternehmen gesprochen, die in ihrem Feld so gut aufgestellt sind, dass sie mehr verlangen können und auch erhalten als ihre Wettbewerber. In Zeiten globalen Wettbewerbs ist es für Führungskräfte daher von entscheidender Bedeutung, Produktivität, Kosten und Wettbewerber zu bewerten und dann Verbesserungen zielorientiert und zügig umzusetzen. Lean Development und agile Vorgehensweisen sind zur Verschlankung an Schnittstellen und Reduzierung von Nacharbeiten und Reibungsverlusten unverzichtbar geworden. Bei Ausschreibungen sind CMMI und SPICE in Luftfahrt, Automotive, Transport und ICT für die Lieferantenauswahl in der Regel vorausgesetzt, und werden in Verbesserungsprojekten durch maßgeschneiderte „Lean-Methoden“ ergänzt. Nach den Erfahrungen der Vector Consulting Services wird jedoch das Rad zu oft neu erfunden. „Earned Value“, Wertstromanalyse und Scrum sind bewährte Techniken, die man nicht im eigenen Haus teuer und zeitraubend neu entwickeln sollte.
Empfehlung: Nutzen Sie professionelle Unterstützung und externe Benchmarks, um die für Sie passende Techniken gezielt auszuwählen und nachhaltig umzusetzen. Setzen Sie konkrete Verbesserungsziele auf Quartalsbasis. Schulen Sie Ihre Mitarbeiter in „Lean Development“. Geben Sie den einzelnen Teams die Aufgabe, einen eigenen Maßnahmenkatalog zur Reduzierung von Verschwendung, Nacharbeit und Schnittstellenkonflikten auszuarbeiten – mit Bezug zu den unternehmensweiten Effizienzzielen. Messen Sie Ihre Performanz mit Kennzahlen wie z.B. Umsatz pro Entwickler, Wiederverwendungsrate, Fehlerrate nach der Integration. Achten Sie darauf, dass agile Techniken nicht zu Beliebigkeit führen.
4. Kollaborativ werkzeugunterstützt arbeiten
Zunehmend verteilte Entwicklungsteams fordern neue Formen der Kollaboration von Teams, Projekten und Menschen. Die vielfältige Vernetzung von Komponenten, Applikationen, Geräten und Benutzern zwingt zu komplett neuen Werkzeug-Architekturen und Arbeitsweisen. Daher wächst die Bedeutung kollaborativer Lösungen für ein verteiltes und durchgängiges Lebenszyklus-Management. Das Nutzenpotenzial ist greifbar, wie unsere Kunden betonen: Standortübergreifende Zusammenarbeit, Variantenmanagement und transparente Workflows sind die am häufigsten genannten Vorteile. Über 70 Prozent der Unternehmen wollen ihre Tools-Landschaften in diesem Jahr verbessern, aber nur knapp 20 Prozent sind zufrieden mit den bisher erreichten Ergebnissen. Unprofessionelles Veränderungsmanagement lässt viele Werkzeuglösungen scheitern. Nach unseren Erfahrungen werden heute vor allem Dokumente verwaltet, während immer noch Redundanz und komplexe Prozesse mit unzureichenden Werkzeugen das verteilte Projektgeschäft bestimmen.
Empfehlung: Stellen Sie ihre Projekte auf den Prüfstand: Wo gibt es Reibungsverluste, was demotiviert Teams, wo werden Arbeitsergebnisse zu oft angepackt? Optimieren Sie Workflows und die zugehörigen Werkzeuge schrittweise, mit einer übergreifenden Strategie, inkrementellen Zielen und einer zukunftsfähigen Architektur. Beachten Sie, dass effiziente und wirkungsvolle Werkzeuglösungen kompetente Mitarbeiter und fähige Prozesse benötigen. Wenden Sie professionelles Veränderungsmanagement an.
5. Qualität durchgängig adressieren
In einem Punkt sind sich unsere Kunden einig: Qualität ist für die heimische Industrie überlebensnotwendig. Der Wettbewerb aus Niedriglohnländern wächst, aber wer sich auf einen Preiskampf auf Kosten der Qualität einlässt, wird vom Markt verschwinden. Branchenübergreifend wachsen die Ansprüche an Funktionssicherheit, Verfügbarkeit, Benutzbarkeit und Informationssicherheit. Dazu sind qualitätssichernde Maßnahmen in der Entwicklung umzusetzen und die Einhaltung von Normen und Standards nachzuweisen. Doch welche Maßnahmen sind gleichermaßen wirksam und kostengünstig? Wie können neue Normen wie ISO 26262 schlank umgesetzt werden? Vielen Unternehmen fehlen nach wie vor Basisfähigkeiten wie professionelles Anforderungs- und Projektmanagement, was angesichts drohender Produkthaftungsrisiken ein sträflicher Leichtsinn ist. Gleichzeitig machen wir bei den meisten Kunden Kosteneinsparpotenziale in der Qualitätskontrolle und -sicherung von fünf bis zehn Prozent der Entwicklungskosten aus, beispielsweise mit mehr Durchgängigkeit und einer systematischen Teststrategie.
Empfehlung: Spezifizieren Sie prüfbare Qualitätsanforderungen sowie die zugehörigen Maßnahmen zur Umsetzung und Absicherung durchgängig aus Systemsicht, bevor einzelne Funktionen definiert werden. Achten Sie bei der Einführung agiler Methoden darauf, dass sie nicht die mühevoll erreichte Qualitätskultur in Frage stellen. Sorgen Sie für eine hohe Disziplin in der Umsetzung, indem Sie die Projekte transparent machen. Reduzieren Sie die Overheads überlappender Validierungsschritte.